Der perfekte Ton
Vor etwa 15 Jahren besuchte ich einen Jazzpiano-Kurs mit Dozenten des Berklee College of Music in der wunderschönen Stadt Perugia in Italien.
Ein Schüler fragte: „Ab wann ist man eigentlich ein Jazzprofi?“
Ich war gespannt auf die Antwort.
Perfektionismus beim Singen: Wann ist meine Stimme gut genug?
„Nach etwa zehn Jahren“, sagte der Dozent.
Ich staunte.
Damals spielte ich schon seit 30 Jahren Klavier – und fühlte mich trotzdem nicht als Profi.
Heute frage ich mich eher: Was hätte ich davon, mich endlich so nennen zu können?
Die Bestätigung, dass ich gut genug bin?
Die Erlaubnis, frei aufzuspielen?
Oder die Hoffnung, keine Fehler mehr zu machen?
Beim Singen begegnet mir dieser Anspruch auch.
„Meine Stimme müsste erst besser sein.“
„Ich darf keinen falschen Ton singen.“
„Die anderen können das bestimmt besser.“
Vielleicht kennst du solche Gedanken?
Du möchtest singen, aber währenddessen hörst du dir ständig selbst kritisch zu.
War der Ton richtig?
Klinge ich schön genug?
Bin ich zu laut?
Diesen Anspruch kenne ich auch von mir.
Gerade als Musiker und Chorleiter: Ich müsste es doch können!
Frei singen: Den Leistungsdruck loslassen und die eigene Stimme entdecken
Die perfekte Stimme.
Immer sicher, ausdrucksstark und auf den Punkt.
Aber wir sind Menschen.
Unsere Stimme klingt mal frei und mühelos, mal müde, angespannt oder unsicher.
Wenn ich jeden Ton kontrolliere und mich ständig bewerte, halte ich mich zurück.
Dann steht mir mein Wunsch, gut zu singen, selbst im Weg.
Dabei wünsche ich mir doch Freude, Ausdruck und Verbindung.
Du bist kein Terminator.
Du bist ein Mensch!
Ich finde es inzwischen entspannter, diesen Leistungsanspruch abzulegen.
Ich darf einen Ton verfehlen, einen Einsatz verpassen, zuhören und wieder einsteigen.
Natürlich möchte ich musikalisch dazulernen.
Aber dafür muss ich mich nicht bei jedem Fehler innerlich zusammenfalten.
Und wenn sich der Anspruch nicht so einfach beiseitelegen lässt?
Vielleicht braucht es erst eine Würdigung des Teils, der die Dinge gut machen möchte.
Vielleicht will er dich vor einer peinlichen Situation schützen oder sucht die Sicherheit, dazuzugehören.
Auch dem dürfen wir zuhören.
Ob am Klavier, beim Singen oder im Leben: Warum nicht mit Herz und Freude dabei sein, lernen und sich zeigen dürfen, bevor man alles kann?

Free Voice Chor in Regensburg: Gemeinsam singen ohne Vorsingen
In meinem Free Voice Chor ist Raum dafür.
Wir singen mehrstimmige Songs aus Pop und Jazz, improvisieren und entdecken gemeinsam, was mit unseren Stimmen möglich ist.
Mit musikalischem Anspruch und Freude am Ausprobieren.
Du brauchst keine perfekte Stimme und musst nicht vom Blatt singen können.
Du solltest Töne sicher ansingen und Rhythmus mitbringen.
Ein Free Vocal Kurs bei mir, mindestens drei Jahre Chorerfahrung oder vergleichbare intensive Gesangserfahrung sind eine gute Grundlage.
Es gibt kein Vorsingen.
Wenn du unsicher bist, ob der Chor zu dir passt, melde dich gerne bei mir.
Alle Stimmlagen sind willkommen – besonders freuen wir uns noch über Tenor- und Bassstimmen.
Start: Dienstag, 13. Oktober 2026
Zeit: 19:15–20:45 Uhr, wöchentlich außerhalb der bayerischen Schulferien
Erste Probe: Josefsaal, Kreuzgasse 24, Regensburg
Weitere Proben: abwechselnd im Josefsaal und im Don Bosco Zentrum
Umfang: ca. 19 Termine bis 16. März 2027
Beitrag: 210 € inklusive Notenmaterial und Zugang zur App Konzertmeister
Am Dienstag geht’s los – wenn du mitsingen möchtest, freue ich mich auf deine Anmeldung.
Männerstimmen sind bisher rar und auch sehr willkommen!
Hier findest du alle Infos und kannst dir deinen Platz im Free Voice Chor sichern.
Musikalische Grüße!
Florian
P.S.: Wer mich beim fröhlichen Loslassen des Perfektionsanspruchs erleben möchte: Bei meinem musikalischen Impro-Event ist Scheitern quasi Programm: Impro meets Jazz.